• Wie ein Discman die Integrität Israels gefährdete

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    viel ist passiert und über einiges davon möchte ich berichten.
    Zum einen ist da eine Erfahrung, die einiges an Frustrationstoleranz abverlangt hat.
    Zum anderen eine weitere Erfahrung, die mir als "International" das erste Mal einen Einblick in das gewährte, was einem Palästinenser hier täglich passieren kann.

    Wenden wir uns also dem vorgestrigen Mittwoch zu. Am Morgen verabredeten wir uns mit einigen Kindern zum gemeinsamen Englischlernen, da am nächsten Tag eine Englischklausur anstand. Als wir dann am Nachmittag gegen drei Uhr mit unseren vier oder fünf Kleinen im Konferenzraum saßen, kamen so nach und nach noch einige Kinder dazu, dass wir nach sehr kurzer Zeit mit einer nicht mehr zu bändigenden Meute an mehr oder minder lernwilligen, aber unter Druck stehenden Schülern dastanden. Dann versuchten wir also als nicht wirklich perfekt arabisch sprechende Teilzeitlehrer innerhalb von drei Stunden Schüler, die in Klasse fünf und sechs zu überwiegenden Teilen Probleme haben, Buchstaben zu erkennen, abstruse grammatische Formen zu erklären. Dass dabei auf beiden Seiten nicht nur gute Laune aufkam und wir selten so gestresst von Arbeit (ja, das war es an diesem Tag ausnahmlos) zurückkehrten, war wenig verwunderlich. Das Problem in meinen Augen ist, dass die Schule ganz simpel einfach nur zu SCHWER ist. Wenn ein Sechsjähriger in der ersten Klasse anfangen muss, Arabisch, Englisch und Französisch zu lernen, halte ich das angesichts der hiesigen Erfahrungen für absolut sinnfrei. Sicherlich gibt es auch Ausnahmen, aber die waren am Mittwoch sehr selten. Wenn ich dann außerdem immer wieder Arbeitsblätter finde, die vor Fehlern strotzen, aber dennoch mit einem großen "Richtighäkchen" und einem fetten "Queis" (Gut!) beschriftet sind, frag ich mich, ob die Lehrer entweder zu schlecht ausgebildet, zu wenig an der Zahl oder einfach unmotiviert sind.

    Die zweite Begebenheit ereignete sich als ich meinen ersten Besuch wieder zurück zum Flughafen nach Tel Aviv bringen wollte. Wir hatten uns für kurz vor eins in der Nacht ein arabisches Taxi bestellt und uns für halb zwei mit einem israelischen Sammeltaxi auf der anderen Mauerseite verabredet. Nun fuhren wir also zum Checkpoint Rachel's Tomb und trafen dort auf - wie der Zufall oder die Wachmannschaft es wollte - auf ein verschlossenes Tor. Trotzdem man aus dem Wachturm Funk hörte, fühlte sich niemand gemüßigt, dass Tor zu öffnen. Nun versuchten wir also, das israelische Taxi zum anderen Checkpoint umzubestellen, was nach sehr vielen sehr nervenaufreibenden anrufen auf Englisch und Arabisch auch mehr oder minder gut gelang. Bevor wir aber auf das israelische Sherut trafen, ereignete sich noch einiges mehr: Wir fuhren also mit dem arabischen Taxi ungefähr 30 Meter auf einer Siedlerstraße auf den Checkpoint zu. Als der Taxifahrer und ich aussteigen wollten, damit man uns zum einen besser sehen konnte und zum anderen um zu klären, ob wir zu Fuß passieren könnten, war das erste, was ich sah als ich wieder über das Auto sehen konnte, ein auf uns gerichtetes M16 Sturmgewehr. Einige Soldaten gestikulierten mehr oder minder aufschlussreich, dass wir sofort wieder einsteigen sollten. Nach einigen Hin- und Herdiskutieren und dem Versuch, die Situation zu erklären, genehmigte man uns dann auch, dass sowohl meine Freundin als auch ich passieren durften. Zuerst hieß es, dass nur sie mit einem Reisegrund versehen sei und deshalb auch passieren dürfte. Letztlich saßen wir dann beide im israelischen Sherut - vorher berichtete uns der palöstinensischer Fahrer, dass die israelischen Soldaten noch seine Autoscheibe zerschlagen wollten.
    Als wir dann letztlich nach diesen ersten Ereignissen auf dem Ben Gurion Airport eintrafen, ging es auch gleich sehr "sicher" weiter. Die "normalen" Kontrollen wurden noch um zweimaliges Durchsuchen des Gepäcks verschäft, die Personenkontrolle durfte auch ein zweites Mal passiert werden und der terrorverdächtige Discman meiner Freundin flog frisch als Gefahrengut versiegelt im Frachtraum. Der gesamte Parcour am Flughafen dauerte auch nur läppische drei Stunden - ob das vielleicht daran lag, dass der Flug eh Verspätung hatte? Darüber spekulier ich, meine "Objektivität" bedenkend, lieber nicht...

    Bis zu den nächsten Ereignissen, Katastrophen und Neugikeiten alles Gute an euch.

    Leo

  • Ramadan karim....alla akram!

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    Ramadan chalast wa "kull aam w antum bechair" - also so grob: Ramadan ist geschafft (überstanden?) und ein "gesundes neues Jahr". Denn heute hat nicht nur meine Zeit als Teilzeitmuslim aufgehört, sondern morgen ist auch das arabische Äquivalent zum christlichen Weihnachten statt. Deshalb war hier heute in Bethlehem die Hölle los - die ganze Stadt (und einige mehr) war auf den Beinen und hat eingekauft. Demenstsprechend voll waren auch die Straßen und es war ein echtes Erlebnis, durch selbgie zu laufen.
    Besonders abgerundet hat diesen tollen Eindruck das Wissen, ab morgen auch wieder tagsüber Speiß und Trank zu sich nehmen zu dürfen. Die Erfahrungen während der vergangenen (circa )30 Tage waren durchaus interessant - der schier unaushaltbare Anfang, die permanente Kraftlosigkeit und verschiedenste Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen. Dies alles wurde jedoch immer besser und zum Schluss hin konnte man mehr oder minder gelassen auf den Ruf des Muezzin warten. Außerdem schwingt auch schon ein bisschen Stolz mit, einen Monat gefastet zu haben wie das gesamte SOS.

    Nun wünsche einen schönen Abend und ein letztes Mal "Ramadan karim".
    Leo

  • Ursula von der Leyen - die wahre Heldin meines Auslandsjahres

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    nun bin ich schon seit einer geraumen Weile von unserem Kruztrip zurück und ich muss sagen: Danke Ursula!
    Wir verbrachten drei Tage bei einem vom "Bundesministerium für Familie, Senioren und alles andere, was gut ist" (so der O-Ton vom Seminarleiter) finanzierten Seminar in einem vier Sterne Hotel im Kibbuz NahSholim in der Nähe von Haifa.
    Dort wurden einige Vorträge gehalten, die sich thematisch von den Eindrücken des seit 18 Jahren in Israel lebenden Seminarleiters bis hin zur kurzen Einführung ins Judentum reichten. Und sicherlich trug auch die Lage direkt am Mittelmeerstrand und das äußerst schmackhafte Buffett dazu bei, dass wir uns gleich für das nächste Seminar angemeldet haben. Darüber hinaus war es mal die Möglichkeit, andere Volontäre kennenzulernen und sich auszutauschen. Gerade letzteres ist zunehmend wichtig, da man durch den fast ausschließlichen Kontakt zu Palästinensern Gefahr läuft, die mehr oder minder objektive Sichtweise zu verlieren. Da war es durchaus sehr interessant, die israelische Seite des Konfliktes aus erster Hand erfahren zu können. Andersherum war es aber auch für einige in Israel lebende Volos interessant (so haben sie uns zumindestens versichert), auch mal zu erfahren, dass man in der Westbank nicht gleich entführt, erschossen oder missioniert wird. Ein Träger hat auch strikt den Freiwilligen verboten, palästinensisches Gebiet zu betreten. Das war auch der Träger, der von seinen Freiwilligen verlangt, eine schriftliche Genehmigung einzuholen, wenn man sich mit den anderen Geschlecht einlässt...
    Davon kann man nun halten was man will.

    Ansonsten sind wir mittlerweile vollkommen mit in den Ramadan eingestiegen. Zum einen fastet das gesamte SOS, zum anderen ist es auch ein Stück weit Selbsterfahrung. Selbsterfahrung in dem Sinne: wie reagiere ich, wenn ich von drei Uhr morgens bis 17.30 abends nichts essen oder trinken darf; was erfahre ich, wenn die lieben Kleinen im SOS mal gar nicht so lieb sind, weil sie nämlich Hugner haben; und welche Erfahrungswerte vermittelt unser Bekannter Areen, wenn er sich in Ramallah am ersten Tag des Ramadan aufgrund seiner hungerbedingten Gereiztheit mit einem Taxifahrer handgreiflich anlegt.
    Auf jeden Fall eine Summe an interessanten Erlebnissen.

    Nun gut...das soweit als kleines Update der Situation in Bethlehem.
    Wünsche allen noch geruhsame Zeit aus dem nach wie vor 28 Grad Mittagshitze habenden Bethlehem.

  • Und tschüss

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    in den nächsten Tagen werde ich nicht erreichbar sein, denn ab morgen beginnt in Haifa ein Seminar für alle deutschen Volontäre. Thematisiert wird - wen wird das nun erstaunen - der Nahostkonflikt und seine Geschichte.
    Danach geht es noch für drei Tage auf den Golan zum trampen oder wandern - mal schauen, wofür das Geld so reicht.

    Nun verabschiede ich mich bis auf weiteres und meld mich mit hoffentlich reichhaltigen Erfahrungen zurück.

    Leo

  • Noch 27 Tage...

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    heute habe ich meinen ersten Monatsbericht verschickt. Wer der Meinung ist, er müsste diesen eigentlich nicht erhalten und sich nun mit einem leeren Postfach konfrontiert sieht: schreibt bitte eine kurze Mail an Leopold.Hentschel@yahoo.de und klagt mir euer Leid. Zu einigen Emailadressen erhielt schon Fehlermeldungen.

    Wo wir gerade von Leid sprechen - seit vorgestern ist hier Ramadan und ich bin aus freien Stücken zum Teilzeitmoslem geworden. Oder politisch korrekter ausgedrückt: damit ich besser an der lokalen Kultur partizipieren kann und mich zu einem möglichst hohen Grad integriere, verzichte ich tagsüber auf Essen, Getränke, Rauchwaren (wohl eher ein kleineres Problem) und aus all dem folgend auch auf übermäßig anstrengende körperliche Arbeit.
    Ist schon erstaunlich, wie sich das Bild im Alltag wandelt - sonst kamen gegen 16:00 die Kinder im SOS immer in unseren "Club" zum Tischtennisspielen. Jetzt schleppt sich ein vereinzeltes Kind träge durch die Tür, haucht ein kraftloses "marhabba" und legt sich auf die nächstbeste Oberfläche (Boden, Tische, Fensterbank).

    So, heute wirklich kurz (zu mehr fehlt auch die Kraft).
    Leo

  • Meine Tour nach Hebron - oder warum ich es immer noch nicht komplett kenne

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    heute habe ich das erste Mal miterlebt, wie das Leben in einem besetzten Land auch spielen kann. Unabhängig aller Diskussionen über „Besatzung“ oder „rechtmäßigen Anspruch“ war ich heute unmittelbar in eine Szene involviert, die mich für diese Situation, diesen Zeitpunkt und diesen Ort ohne Zweifel ersteren Begriff wählen lässt.

    Wir waren mit unserem Freund Mahmoud seine Familie in Hebron (arabisch Al Khalil) besuchen und besichtigten heute die Altstadt. In der laut Reiseführer konservativsten islamischen Stadt im Westjordanland leben außerdem auch zahlreiche konservative jüdische Siedler. Teilweise sind selbst Häuser geteilt – in den oberen Stockwerken befinden sich sozusagen „jüdische Siedlungen“ während im Erdgeschoss arabische Familien leben und Handel treiben. Am auffälligsten waren die Gitter, die in Höhe des ersten Stockwerkes, der lokalen jüdisch-muslimischen Grenzlinie, quer über die Straße gelegt waren. Die „Dächer“ dienen zum Schutz vor all den Sachen, die einige der Siedler sonst direkt auf die Straße geschmissen hätten. Neben dem Hausmüll lagen dort auch einige Holzteile oder anderer Schrott.

    Wir laufen also nach dem erfolgreichen Passieren eines ersten Checkpoints auf einen weiteren zu, sind an diesem auch schon fast vorbei, also Mahmoud von einem der Soldaten angerufen wird. Also kehrt marsch, die grüne ID-Card dem einen Soldaten in die Hand gedrückt und dann mit vier weiteren Arabern circa ne Viertelstunde gewartet, während die Soldaten immer mal hin- und herfunkten. Währenddessen konnten wir beobachten, dass ein weiterer Araber ebenfalls nahezu am Checkpoint vorbei war, ehe auch er zurückkommen musste, um seine ID abzuliefern. Zufall?
    Nach einer Viertelstunde geht’s also weiter – ungefähr 50 Meter auf den nächsten Checkpoint zu. Mahmoud fragt ihn, ob wir denn hier durch könnten. Nach der soeben gemachte Erfahrung am ersten Checkpoint dachte ich „No way“ – aber oh Wunder, der Soldat lies uns durch. Er meinte: „Eigentlich sei dass nicht erlaubt, aber er würde uns jetzt durchlassen“ er meinte zwar noch, wenn ein anderer Soldat uns zurückschickt, dann sollten wir das auch machen. Er ließ uns passieren, war richtig höflich und wir vier – Palästinenser, Israeli, Deutsche – reichten uns zum Abschied sogar die Hände. Vielleicht ist es nur naives Wunschdenken, aber ich hatte das Gefühl, dass er sich nicht ganz wohl in seiner Position fühlte.

    Nach dem passieren dieser Kontrolle war die Straßeschlagartig leer, alle Häuser waren verlassen und Fenster sowie alle Türen zumeist zugemauert oder mit Eisentoren versperrt). Bis zur nächsten Kreuzung kam uns einzig ein Jeep der israelischen Polizei entgegen, der uns aber unbehelligt ließ. Am nächsten Checkpoint, nach ungefähr 200 Metern Niemandsland, war es dann soweit: „You are not allowed to enter, you have a Palestinian ID. You are from Germany, you can enter.“ Wir lehnten dankend ab und gingen durch das Niemandsland zurück. Bis uns ein Soldat aus einer Seitenstraße entgegenkam und uns fragte, ob wir ihm bitte folgen würden. Er führte uns in die Straße, wo einige weitere Soldaten (schätzungsweise jünger als wir) rumlümmelten. Also wieder unser Sprüchlein, dass wir aus Deutschland kämen. „You wait there“ meinte der erste Soldat zu uns und deutet auf den Straßenanfang – das war aber auch nicht drin, denn so ganz rosig sah die Situation nicht aus und vielleicht war es besser, dass wir als Europäer in Mahmouds Nähe blieben. Also vier, fünf Schritte in die angewiesene Richtung. Währenddessen nahm sich ein weiterer Soldat (der einzige mit Kippa – ist mir nur aufgefallen, möchte das jetzt ausdrücklich nicht als Verallgemeinerung missverstanden haben!) Mahmoud, der währenddessen – mal wieder – seine ID abgeben durfte, an. Das ganze zog sich ziemlich in die Länge und die Stimmung wurde auch nicht besser, als der befragende Soldat dann mit Mahmoud loszog, um den netten Soldaten, der uns durchgelassen hatte, zu fragen, ob das denn auch alles so stimme. Dann kam – mal wieder – das Funkgerät zum Einsatz. Währenddessen standen wir da und warteten. Dabei nahm der Soldat, der die Fragen gestellt hatte, sein M16, das bisher eher unbeachtet an seiner Seite hing, in beide Hände und hielt es vor seiner Brust – ich weiß nicht, ob mit Absicht oder unbewusst; aber auf jeden Fall eine Geste, die mich doch ziemlich getroffen hat. Außer Sichtweite jeglicher Zivilperson, in einer Seitenstraße, deren einzige Torausfahrt mit Stacheldraht vollgestopft war – ich war selten so beruhigt, einen deutschen Pass zu haben.

    Für mich war es eher eine „Erfahrung“, wenn auch eine sehr unerfreuliche. Aber für Mahmoud war es wohl bitterster Ernst – auch wenn er uns gegenüber meinte, dass sei halt Alltag. Nach einigem Hin-und Hergefunke verließen wir wohlbehalten das Niemandsland. Der freundliche Soldat, der uns durchließ, meinte noch, es tue ihm leid. Wir fragten, ob er jetzt Ärger hätte. Er meinte: „Ja!“. Als einzige Person, die wohl nicht als „israelischer Soldat“ sondern als „Mensche“ agierte, kriegt er dafür noch Stress.
    Eigentlich hätte ich ihm gern noch gesagt, dass er mich sehr beeindruck hat – aber daran denkt man nach einer solchen Situation nicht.

    Abgesehen davon haben wir eine weitere Stadt und wieder ein paar mehr Nette Menschen kennengelernt.

    Nun ist das mit dem Vorsatz, kompakter zu schreiben, doch nichts geworden.
    bis zum nächsten Mal.
    Leo

  • Was bisher geschah

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    nun bin ich also seit 14 Taqen im Gelobten Land, mein Blog wurde seit zwei Monaten nicht mehr aktualisiert und die Kinder hier im SOS müssen den ersten Tag in die Schule. Man sieht: es treffen sich aufenweise historische Daten. Deshalb möchte ich hiermit offiziell meinen Blog aus dem Heiligen Land für eröffnet erklären.

    Ein Freund wies mich darauf hin, dass der Sinn eines Blogs darin besteht kurze, prägnante, möglichst aktuelle Informationen zu vermitteln. Deshalb und angesichts der durch Akkulaufzeiten begrenzten Arbeitszeit an diesem Blog hier die bisherigen Kurzinfos (Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich teilweise dezente Probleme habe, Inhalte kurz und bündig zu formulieren...also an gegebener Stelle davon nicht stören lassen).

    Also, was bisher geschah:

    - nur 40 Minuten/3x Befragungen am Ben Gurion Airport benötigt - letztes Jahr waren es 8 Stunden.
    - erste Woche hauptsächlich mit Kennenlernen von Leuten, anderen Volontären, Orten, Arbeiststätten zugebracht
    - bisher sehr positiver Eindruck vom SOS: Kinder sind dankbar für alles, was man anbietet (auch wenn das momentan nicht viel ist, da es noch stark an der Sprache mangelt); immer sehr reichhaltiges (Portionsgrößen in Palästina: "großer berg auf dem Teller" und "kleinerer Berg auf dem Teller") arabisches Essen
    - am Montag startet unser Sprachkurs mit einwöchiger Verspätung, da wir eine Woche lang der falschen Nummer hinterhertelefonierten
    - Ausflüge nach Al Quds/Jerusalem gemacht - toller Ausblick vom Dach der Willy-Brandt-Zentrum, wo Mitvolo Jan arbeitet
    - Ausflug nach Jenin gemacht - ein ziemlicher Unterschied zu dem fast südeuropäisch anmutenden Bethlehem (Martyrerposter nahezu überall, dennoch sind die Leute da ähnlich freundlich, wobei man schon ein ganzes Stück mehr Kuriosität als in Bethlehem ist)
    - die meisten Abende verbringen wir außerhalb - entweder vor unserem Haus mit eingien Nachbarn, vor allem Mahmud und Nisar, aber teilweise auch Rani (unserem Vermieter)
    - da wir gerade von Vermieter sprechen: wir sind nunmehr stolze Besitzer von zwei Holzbetten, zwei Kommoden, zwei funktionierenden Duschen, einem "Tisch"...was gar keine schlechte Bilanz dafür ist, dass wir die erste Woche auf zwei Feldbetten aus palästinensischen Armeebeständen gepennt haben
    - Mitzivi Jan hat in Al Quds eine kleine Katze aus der Mülltonne gerettet, die nun noch entfloht/etnwurmt/entent werden muss. Wer also für den kleinen Jassir Herzl was spenden möchte, darf mcih gern anschreiben, da ein Tierarztbesuch hier einiges kostet...

    Insgesamt bleibt also zu resümieren, dass es hier alles außerordentlich gut läuft und dass ich jetzt schon weiß, dass ich die Offenheit, Herzlichkeit und Lebenslust nahezu aller Menschen hier vermissen werde. Die Bereitschaft, das wenige, was die meisten Palästinenser hier haben, auch noch bedingungslos zu teilen, habe ich bisher kaum erlebt.

    Nun gehabt euch alle wohl, schöne Tage und vielleicht kann ja jeder von euch etwas palästinensischer leben - also bitte das Bild, was ich in Realität hier vorfinde, nicht das in den Medien...

    Einer unserer Nachbarn meinte, dass man hier zwei Möglichkeiten habe: "you can keep crying or you can keep trying"...

    Über ihn schreib ich bei Gelegenheit mehr, da er ein Superprojekt auf die Beine gestellt hat. Aber sicherlich kann man sich erste Eindrücke schon mal hier

  • Logbuch. Nachtrag. Sternzeit neun acht fünf drei sieben

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    ich hab ein eindeutig zu schlechtes Bild von der Welt! Gerade las ich eine wirklich herzlich geschriebene Mail vom Saturn-Markt Halle. Man teilte mir mit, dass man sich eine Unterstützung gut vorstellen könne und ich doch mal genauere Angaben über das benötigte Equipment machen solle. Wenn also alles klappt, kann ich auch auf die Unterstützung von Saturn zurückgreifen. Perfekt!
    Ich glaubs momentan noch gar nicht so richtig! Und wenn man sich mal überlegt, dass wir dann schon drei Kameras (meine eingeschlossen) für 90 Kids haben, von denen sicherlich auch nicht alle mitmachen wollen...es nimmt langsam alles Gestalt an.
    Also, in stiller Meditation, dass die Welt doch gar nicht so böse is, verbleibe ich mit sonnigen Grüßen an euch alle.
    Leo

  • Im Osten geht die Sonne auf...

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    nur in aller Kürze: vor ungefähr 7 Minuten und 24 Sekunden erhielt ich einen Anruf. Herr X (im ersten Freudentaumel ging der Name leider unter) von Pentacon (das ist die Firma, die hinter Illes heißgeliebten Prakticas steht)Dresden teilte mir mit, dass mein Anschreiben, ob ich denn nicht eine Digitalkamera für einen Fotoworkshop im SOS-Kinderdorf bekommen könnte, auf offene Ohren und große Resonanz gestoßen sei. Eine Kamera sowie eine Speicherkarte würden mir demnächst postalisch zugehen....ich meine: "wie geil ist das denn"! Zum einen überhaupt erstmal ne Antwort, dann die auch noch so fix und das ganze auch noch positiv...ich würde euch jetzt natürlich raten: Kauft nur noch Praktica. Von real,- hab ich schon ne Absage (immerhin waren sie auch nicht langsam), aber einige haben sich (noch) gar nicht gemeldet. Egal, ich wollt mich jetzt ja darüber freuen, dass es noch die "Guten" in der bundesdeutschen Geschäftswelt gibt. DANKE!
    Ach, und das Pentacon damit nicht allein steht: mein Vater hat einen ebenfalls sehr engagierten Mitarbeiter einer Sparkassenfiliale kennengelernt, der sich ebenfalls für den Dienst bei der Sparkassenstiftung eingesetzt hat. Mal schauen, was dabei noch rauskommt, aber auf jeden Fall auch schon einmal: DANKE.

    Wer also noch jemand kennt, der jemand kennt, der eventuell Verbindungen hat (oder jemanden kennt), dürft ihr den auch gern noch einmal auf den Blog aufmerksam machen. Oder noch viel besser: Lasst ihr bei youtube.com das Video sehen, was unter dem Suchbegriff "Sozialer Friedensdienst" zu finden ist. Oder lasst denjenigen/diejenige auf diesen Link klicken
    Einen tollen Tag und bis demnächst
    Leo

  • Jaaaaaaaaa, er lebt noch, er lebt noch...

    Liebe Freunde, liebe vielleicht-bald-Unterstützer, liebe Zufallsbesucher, werte Andersdenkende,

    wie einige Menschen aus meinem Bekannten-, Freundes- und Familienkreis feststellten, hat sich hier lange nichts getan. Natürlich haben sie damit Recht und ich könnte zu meiner Verteidigung anführen, dass ich fürs mündliche Abi lernen musste (was ich dann auch ganz gut rumgebracht hab)...aber ich lass das mal.
    Es ist immer wieder toll zu sehen, dass auch bei kürzer werdenden Zeit bis zur Ausreise die Unterstützung nicht nachlässt. Also um es kurz und bündig zu machen:

    1. Paulusfest. Irgendwann Anfang Juni.
    Ich hatte ja die Zusage für einen Stand auf diesem (Stadtteil-)Fest bekommen. Dass ich einen Stand an bester Stelle, mit Überdachung (der Tag war geprägt von dunklen, seeeeeehr dunklen Wolken) und mehr Platz als genug bekommen, hatte ich nicht erwartet. Das verdanke ich Herrn Dr. Haupt, dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft. Natürlich auch ein dickes Danke an all diejenigen Helfer aus meinem Freundeskreis, die mit rumstanden, Kaffee + Waffeln organisierten, als mobile Außenstelle fungierten etc. Und ein ganz besonder dickes Danke an Ilja, der durch seine Fotos ebenso Geld in die Kasse spülte. Und sicherlich wäre der Tag ohne sämtliche Leute, die Interesse bekundeten, deutlich weniger erfolgreich (nicht nur finanziell) verlaufen.
    2. Copyshopinitiative. Beim Ethiklernen in der Kleinen Uli.
    Da spricht mich doch die eine nette Dame aus dem Copyshop gleich gegenüber unserer Wohnung an und meint, sie würde den Dienst auch gern unterstützen und mir deshalb 10 T-Shirts bedrucken. Klasse! Ich meine für sie ist es ein nicht geringer Aufwand, für mich ist es nochmal eine ganze Stange Geld. Wenn gesagt wird, mit diesem Land geht es bergab, keiner kümmert sich um den anderen und die Welt is sowieso Mist, dann glaub ich, dass Leute wie Frau Bluhme zeigen, dass man auch etwas dagegen tun kann!

    Wer sich in die Reihe der Spender einreihen möchte:

    wise e.V.
    Bank f. Sozialwirtschaft
    Konto: 861 1300
    BLZ: 550 20 500
    Stichwort: "Spende wise e.V. 92013"

    Falls eine Spendenbescheinigung gewünscht wird, dann bitte eure Telefonnummer oder Mailadresse beim Stichwort mit angeben. Ansonsten bitte nur die Form wie oben gezeigt verwenden, da die Spende sonst nicht zuzuordnen ist.

    Angesichts der derzeitigen Ereignisse in den Palästinensischen Autonomiegebieten treffe ich immer öfter auf Skepsis, Unverständnis und Sorge. Das ist alles berechtigt und ich freu mich über jeden, der sich mit der Situation vorort beschäftigt und erst recht über alle, die sich Sorgen um mich machen :DD
    Ich sehe auch nur wenig mehr als die Bilder in den Medien und ich kann sicherlich genauso schlecht einschätzen wie jeder andere Mitteleuropäer, was es heißt, dort zu leben.
    Ich hoffe jedoch, dass Bethlehem mit seiner starken christlichen Majorität weniger in die innerpalästinensischen Konflikte zwischen Fatah und Hamas involviert ist, die Lage im - vergleichsweise - ruhigen Westjordanland sein übriges zum Reduzieren der Gefahren beiträgt und uns die von unseren Vorgängern vielberichtete Gastfreundschaft vor dem Dümmsten, was ein "Gringo" machen kann, bewahrt.

    So, nun mach ich aber mal Schluss...

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